Sonntag, 28. März 2010

Pillow Talk... Bettgeflüster




Nach dem psychotischen "Rosemary's Baby" hatten wir eine geballte Ladung 50s-Happiness bitter nötig. Ein Glück, dass wir im Video Store Bettgeflüster von Michael Gordon gefunden haben. Temporeiche Witze, wunderbare Darsteller und schrullige Nebenfiguren sind die Grundzutaten dieses Feelgood-Movies, der sehr stark an die Screwball-Komödien der 30er und 40er erinnert.
New York in den 50ern. Die Innenarchitektin Jan Morrow (Doris Day) und der Komponist Brad Allen (Rock Hudson) müssen sich einen Telefonanschluss teilen. Das heißt, dass sie die Gespräche des jeweils anderen mit anhören können. Weder kennen sie sich persönlich noch haben sie sich jemals getroffen. Jan ist von Brad genervt, weil er ihre Leitung ständig mit Flirttelefonaten mit permanent wechselnden Gesprächspartnerinnen besetzt. Der Schürzenjäger nimmt ihre Drohungen gelassen und hält sie für eine alte, sexuell frustrierte Jungfer. Brads Freund, der Millionenerbe Jonathan Forbes (Tony Randall) wirbt um Jan, die an keine Beziehung mit ihm interessiert ist. In einem Nachtclub realisiert Brad, dass es sich bei Jan um eine schöne Blondine handelt. Unter der Befürchtung, dass sie seine Avancen zunichte macht, stellt er sich ihr als den texanischen Geschäftsmann Rex Stetson vor. Jan ist von seinem noblen Verhalten und Aussehen hingerissen und verliebt sich in ihn, sehr zu Jonathans Missgunsten. Er beauftragt einen Privatdetektiven Rex Stetson aufzuspüren.

Bettgeflüster trumpft besonders mit seinen frivolen Andeutungen und Running Gags, was den Nebendarstellern (darunter Thelma Ritter als dauerbesoffene Haushälterin) zu verdanken ist. Die Witze kommen wie aus der Pistole geschossen und der Film kann keine einzige Sekunde eines Leerlaufs aufweisen. Hervorzuheben ist die minutiös eingesetzte Musik (von Frank De Vol geschrieben und komponiert). Ähnlich wie bei den alten Micky Mouse-Filmen wird jeder einzelne Akt und Pointe musikalisch akzentuiert. Nicht zu verachten sind die eingesungenen Songs von Doris Day, die so vor lauter Heiterkeit sprühen. Hier der Link zu den Opening Credits:

http://www.youtube.com/watch?v=G-BG1URUTI0

Und der zum Song "Roly Poly":

http://www.youtube.com/watch?v=5DVStlC-9Hc

Ebenfalls nenneswert ist der Liebessong, den Brad für jedes seiner Affären vorsingt. Der Text bleibt gleich, bloß wird der Name der Frau hinzugefügt, um den Anschein zu erwecken, dass er den Song "aus dem Stegreif" und extra "nur für sie" komponiert hat. Die Chemie zwischen Day und Hudson ist knisternd. Es macht einfach Spaß zu sehen, wie sie sich anfangs zanken, um zum Schluss verliebt in die Arme zu fallen. Ergänzt werden sie durch Tony Randall als Forbes, der einen wunderbaren Kontrast zu Hudsons Figur bildet (uncharmant und keinen Erfolg bei den Frauen). Die Handlung ist leicht vorauszusehen, aber dies wird kompensiert durch detaillierte Plotelemente (wie zum Beispiel die wiederkehrende hässliche Statuette einer Fruchtbarkeitsgöttin oder die Katze, die Jan und Brad bis in sein neu eingerichtetes Apartment folgt) und den Running Gags, die in teils abgewandelter Form wiederkehren.
Bettgeflüster ist eine herrliche Komödie, die nicht an Charme, einfallsreichen Witzen und freudigen Darstellern geizt.

Fazit: Sehenswert.

-Hiermit auch herzlichen Dank an S. für ihre Links, Roly Poly!-

Sonnige Grüße :]

Rosemary's Baby... Heil Satan!




Horrorfilme sollte man sich nicht allein anschauen, besonders nicht, wenn man danach allein nach Hause laufen muss. Wir hatten an unserem spontanen Filmabend uns für
Rosemary's Baby entschieden. Als wir uns später auf unserem Nachhauseweg trennten, hatte ich das Gefühl, überall dunkle Gestalten zu sehen und die Eingangstoren der S-Bahnstation fielen wie von selbst zu und dann ich allein auf einer unbeleuchteten Straße... gruselig! War heilfroh, dass ich nach Hause gekommen bin, aber hab ne Weile gebraucht, bis ich einschlafen konnte. Rosemary's Baby ist auf jeden Fall kein optimaler Ersatz für Milch mit Honig!

Rosemary Woodhouse (Mia Farrow) und ihr Ehemann Guy (John Cassavetes) ziehen ins Bramford House, New York ein. Sie ist von der Wohnung bgeistert, kurz darauf geschehen in und um das Haus seltsame Vorfälle. Rosemary findet einen handgeschriebenen, beängstigenden Zettel ihrer Vormieterin ("Ich halte es nicht mehr aus in meiner Haut"). Eine junge Frau, die vom älteren Paar Minnie Castevet (Ruth Gordon) und Ramon Castevet (Sidney Blackmer) aufgenommen wurde, begeht kurz nachdem Rosemary sie kennen gelernt hat Selbstmord. Ihre neuen Nachbarn mischen sich immer mehr und mehr in ihr Leben ein. Besonders Minnies aufdringliche und neugierige Art kann Rosemary nicht leiden. Zudem hat sie böse Vorahnungen, was das ältere Paar anbelangt. Guy, der sich mit ihnen angefreundet hat, will ihr das ausreden. Nachdem sie Minnies selbstgemachtes Mousse au Chocolat verspeisen, wird Rosemary schwindlig, dann fällt sie in einem abartigen, kranken Albtraum: Der Teufel vergewaltigt sie (*tusch!*). Kurz darauf ist Rosemary schwanger... (*tusch!*)
Der Horror in Rosemary's Baby geschieht im Kopf des Zuschauers. Alltagssituationen entwickeln sich zu furchterregenden Szenarien, ohne dass viel passiert. Minnie, Ramon, ihr Mann Guy, der Arzt Dr. Saphirstein (Ralph Bellamy) verhalten sich ihrem Charakter entsprechend. Dennoch schleichen Rosemary und dem Zuschauer ein beängstigender Verdacht, dass sie sich alle gegen sie verschworen haben. Roman Polanski setzt auf einfache Inszenierungen, um aus der Realität heraus das Mysteriöse, das Teuflische zu evozieren. Der verschobene Wandschrank, der Todesvorfall, die Anordnung des Arztes, dass Rosemary keine Schwangerschaftsbücher lesen solle... sie geschehen im Bereich des Möglichen, obwohl man sie nicht für bare Münze nehmen will und genau das ist es, was den Film seine furchteinflössende Wirkung verleiht. Aufwendige technische Special Effects hätten diesen Effekt unglaubwürdig gemacht. Der Film wandelt zwischen Traum, Illusion und Realität. Bis zum Ende erhärten sich Rosemarys Vermutungen und je mehr sie Nachforschungen über die Sekte, in der sich die Castevets und ihr Mann angeschlossen haben, anstellt, desto realer werden ihre schlimmsten Befürchtungen. Dennoch lässt Polanski den Zuschauer als auch Rosemary in Unsicherheit wiegen. Sie nimmt quasi die Sicht des Zuschauers ein. Man fühlt sich wie die Hauptfigur beklemmend und in einer Situation eingeengt aus der es kein Entrinnen gibt.
Mia Farrow als optimistische, werdende Mutter, die hilflos einer wahnsinnigen okkulten Sekte ausgeliefert ist, kann absolut überzeugen. Allerdings ging mir ihre naive, dümmliche Art schon zu Anfang auf die Nerven. John Cassavetes als ihr Mann ist in meinen Augen ein absolutes Arschloch (Zitat: "Ich hab dich ein bisschen geschändet, als du bewusstlos warst"). Erst liefert er sie einem Haufen psychokranker Satan-Senioren aus und als Rosemary in ihrer Schwangerschaft Heidenschmerzen erleiden muss, hat der einen Scheißdreck getan. Dieses ungleiche Paar verdient ohnehin den Preis für die unerotischste Sexszene in der gesamten Filmgeschichte (muss man gesehen haben!). Auch wenn ich Ruth Gordon seit "Harold und Maude" total sympathisch finde, ist es mir ein Rätsel, warum sie für die Rolle als schrullige, extravagante Nachbarin Minnie einen Oscar abgesahnt hat. Herausragend fand ich das echt nicht. Dennoch spielt der gesamte Cast recht solide.
Wer hungrig nach Psycho-Schocks ist, kann bei Rosemary's Baby nicht viel falsch machen. Allerdings ist das Ende und die Hauptfigur so ärgerlich, dass ich den Film nicht weiterempfehlen würde.

Fazit: Zwiespältig.

Sonnige Grüße :]

Freitag, 26. März 2010

The Breakfast Club... don't you forget about me





Wenn man von Teenie-Filmen spricht, denkt man automatisch an die "American Pie"-Reihe, grottige Splattermovies oder noch schlimmer: Singende, tänzelnde Möchtegern-Starlets aus der Disney-Fraktion (Namen des besagten Streifens brauch ich hoffentlich nicht zu nennen). John Hughes war einer der Ersten, der Jugendlichen in Filmen mehr Tiefe verlieh und sie ernsthaft mit ihren Problemen eines Heranwachsenden konfrontieren ließ. The Breakfast Club geht über eine gewöhnliche Teenie-Komödie hinaus und ist ab der Hälfte eine Art Gesellschaftsstudie über eine Generation, deren gesellschaftlichen Zwänge und Forderungen schier niederwalzen.
An einem banalen Samstag haben der Sportass Andrew (Emilio Estevez), die beliebte Claire (Molly Ringwald), der Streber Brian (Anthony Michael Hall), der Rebell John (Judd Nelson) und die ausgeflippte Allison (Ally Sheedy) nachzusitzen. Der entnervte Lehrer Richard Vernon (Paul Gleason) erteilt ihnen die Aufgabe, einen Aufsatz zu schreiben mit dem Thema "Wer bin ich?". Anstatt sich an die Aufgabe zu machen, reden, diskutieren, streiten, schlagen, weinen, lachen und versöhnen sich die unterschiedlichen Fünf und entdecken am Ende des Tages, dass sie doch mehr Gemeinsamkeiten haben als erwartet.
Dass es sich hierbei um Stereotypen handelt, wird beim Mittagessen mehr als deutlich. Claire aus wohlhabenden, gehobenen Hause holt eine Bento-Box mit Sushi hervor (John: "Du willst nicht die Zunge eines Jungen in deinem Mund haben, und dann isst du sowas?"), während Andrew ein gigantisches protein- und kohlenhydratreiches Lunchpaket auspackt. John hat nichts bei sich, der wohlbehütete Brian bringt Suppe in einer Thermoskanne und Apfelsaft im Tetrapack mit. Allisons Lunch ist am abgefahrensten: Butterbrot mit Zucker und Erdnussflips (jedenfalls sehen die Dinger so danach aus). Dank der stereotypischen Figuren kann man sich leicht mit ihnen identifizieren, besonders für Teenager und Ältere, die ihren High School-Jahren nachhängen, ist der Film ansprechend. Dank John Hughes' genialem Drehbuch wird das langsame Herantasten an die Psyche der Teenager ehrlich und glaubhaft dargestellt. Im weiteren Verlauf fällt das festgefahrene Cliquendenken und die gegenseitige Aversion ab und nach einer Flucht aus der Bücherei und einem gemeinsamen Joint lockert sich die angespannte Stimmung. In einer zutiefst ehrlichen Gesprächsrunde erzählen sich die Teenager den Frust aus dem Leib. Auf Brian und Andrew lastet ein enormer Erfolgsdruck von Seiten der Eltern, Claire ist nur Spielball im Scheidungskrieg ihrer Eltern und kann sich den Forderungen ihrer Freundinnen nicht entziehen, John leidet unter den Gewaltattacken seines Vaters und Allison fühlt sich von ihrer Familie ignoriert. Auch wenn die Erwachsenen im Film eine Randerscheinung sind, sind sie stetig präsent und in einem äußerst negativen Licht dargestellt. Doch anstatt sich den gesellschaftlichen Zwängen Widerstand zu leisten, integrieren sich die Jugendlichen ohne Widerworte hinein. Auch wenn sie darauf hoffen, nicht genauso zu werden wie ihre Eltern, haben sie die Vorstellungen und Erwartungen ihres Umfelds vollständig übernommen. Sie sehnen sich nach Selbstbestimmung, sind aber nicht mutig genug, aus ihrem konformierten Umkreis herauszubrechen. Daher ist für allen fraglich, ob ihre neu begonnene Freundschaft auch am Montag standhält.
Darstellerisch sticht Judd Nelson als Rebell in der Runde heraus. John provoziert, wo er kann und lässt über jeden einen sarkastischen Spruch ab. Nur hin und wieder blitzt unter der harten Schale sein verletztlicher Kern durch. Emilio Estevez' authentisches Spiel überzeugt. Man spürt, wie sein Andrew unter den Druck seines karrieregeilen Vaters langsam zerbricht, aber nichts anderes tun kann, als bedingungslos seine Erwartungen zu erfüllen. Dieses Nichtanderskönnen bestimmt das Handeln der Protagonisten. Ihr gemeinsamer Samstag gibt ihnen jedoch Anlass, sich zu ändern und ihren eigenen Weg zu gehen. Wünschen würde man es ihnen auf jeden Fall. Auch nach 25 Jahren hat The Breakfast Club nichts an seiner Aktualität verloren und wird wahrscheinlich auch in den nächsten 50 Jahren zeitlos bleiben. Frei von Kitsch und Pathos entlarvt John Hughes das Innenleben von Teenagern und beweist ihre Vielfältigkeit und Ambivalenz fern von der "Null-Bock"-Schiene. Besonders Eltern lege ich diesen Film sehr zu Herzen, hehe.


Fazit: Sehenswert!

Sonnige Grüße :]

Donnerstag, 25. März 2010

Manhattan... irre, wirre Liebe in NY





Woody Allen-Filme (jedenfalls die früheren) sind die Chick-Flicks für Männer. Intellektuelle und Akademiker schwadronieren in Freud'scher Manier beim üblichen Kaffeeplausch über Liebe und Sex, und das ohne in überschwängliche Gefühlsduseleien abzusteigen. Das ist das Besondere von Allen: Seine Filme wirken in höchsten Maßen romantisch, ohne sentimental-kitschig zu erscheinen. Zudem liefert er wunderbare Großstadtporträts (New York, London, Barcelona...), wo einem sofort das Fernweh packt. Manhattan deckt das neurotische Liebesverhalten der Großstadtleute auf, ist aber in erster Linie eine liebevolle Hommage an New York itself.
Schlimmer hätte es für Isaac Davis (Woody Allen) nicht kommen können. Seine lesbische Exfrau Jill (Meryl Streep) schreibt ein vernichtendes Enthüllungsbuch über ihre Ehe und in seiner Beziehung zu der 17-jährigen Tracy (Mariel Hemingway) ist der Fernsehautor auch nicht glücklich. Zu groß ist der Alters- und Interessenunterschied, daher sieht Isaac keine Zukunft für sie. Halt findet er bei seinem Freund Yale (Michael Murphy) dessen Liebesleben ebenso chaotisch ist. Yale hat nämlich eine außereheliche Affäre mit Mary (Diane Keaton). Isaac verabscheut ihr "pseudo-intellektuelles" Geschwätz. Doch schnell lässt er sich von Mary hinreißen und beginnt eine Romanze mit ihr.
Elaine's, Museum of Modern Art, Brooklyn Bridge, Fifth Avenue, Guggenheim-Museum, Hayden Planetarium... in nostalgischer Schwarzweiß-Fotografie (ich vergöttere S/W-Fotografie°°) wird die Schönheit New Yorks offenbart. Anstatt wie Carpenter oder Scorsese die Großstadt als apokalyptischen Sündenpfuhl zu inszenieren, kann Allen von seiner Heimatstadt nur Positives abgewinnen. In Manhattan bekennt er zu seiner Liebe zum Kino (Groucho Marx, "Die große Illusion" von Jean Renoir, Ingmar Bergman), zum Jazz ("Rhapsody in Blue" von George Gershwin ist eine Bereicherung), zur Kunst, zur Literatur und selbstverständlich zu New York. Allen wäre allerdings nicht Allen, wenn es in seinen Filmen nicht um wirre Liebesangelegenheiten neurotischer Intellektueller/Künstler geht. In Isaacs Freundeskreis ist Liebe (und alles was dazu gehört) oft Gegenstand ihrer Unterhaltungen, dennoch verhalten sie sich in der Hinsicht unüberlegt und sind nicht imstande auf feste Beziehungen einzugehen. So sträubt sich Yale über den Kinderwunsch seiner Frau reden zu wollen, geschweige denn ihr seine Affäre mit Mary zu gestehen. Isaacs radikale Gefühlsschwankungen hindern ihm eine glückliche Beziehung mit Tracy zu führen, die von allen Protagonisten am reifsten wirkt und eine Art Gegenpol zu den ganzen intellektuellen Neurotikern darstellt. Diese satirischen Seitenhiebe auf den Bildungsbürgertum New Yorks sind köstlich, besonders in den Dialogen. Deutlich wird dem Zuschauer ihre Lebens- und Bindungsunfähigkeit bewusst, die Isaac mit zynischen, sarkastischen Bemerkungen zu kaschieren versucht. Ohnehin sind seine scharfzüngigen Liners das Glanzstück des Films. Nebenbei begeistert Manhattan mit atmosphärischen Bildern eines einzigartigen New Yorks, die jeden NY-Fotoband locker füllen können. Allerdings ist der Allen'sche Humor nicht jedermanns Sache und das Liebswirrwarr mag einem zu konfus erscheinen und auf den Geist gehen (wohl auch einer der Gründe, wieso der ein oder andere Allen als überschätzt erachtet). Wer jedoch New York über alles liebt, kommt an Woody Allen und erst recht nicht an Manhattan vorbei.


Fazit: Sehenswert.

Sonnige Grüße :]

Mittwoch, 24. März 2010

Kill Bill Vol.2... the pussy died




Sequels sind ne heikle Sache. Meist werden sie ihren Vorgängern nicht gerecht, weil man das gleiche Erfolgskonzept wiederholt, anstatt neue Ansätze auszuprobieren. Nichtsdestoweniger haben so einige Sequels dennoch geschafft, den 1. Teil zu übertrumpfen. Trifft dies bei Kill Bill Vol.2 zu? Geschmackssache, würd ich sagen. Während der eine auf blutiges Samuraigemetzel steht, wird der andere mehr Wert auf das Innenleben der Figuren legen. Der 2. Teil des Rache-Epos ist emotionaler und gewährt Einblicke in die Psyche seiner Protagonisten/Antagonisten, wirkt aber leider etwas lang gezogen.
Nachdem die Braut (Uma Thurman) O-Ren und Vernita ausgeschaltet hat, gilt es die anderen drei Namen auf ihrer Todesliste zu streichen. Bills Bruder Budd (Michael Madsen), Elle Driver (Daryl Hannah) und Bill for sure (David Carradine). Das nächste Ziel der Braut ist Budd, ein abgehalfterter Rausschmeißer einer Tittenbar. Der tut allerdings nicht so dumm, wie er aussieht. Budd jagt ihr eine Ladung Steinsalz in die Brust und vergräbt die Braut lebendig auf einem Friedhof...
Spaghetti-Western mit Kung Fu, gepaart mit den Grindhouse-Filmen der 70er. Quentin Tarantino macht einen Querschnitt durch seine sämtlichen Lieblingsfilme, angefangen bei Sergio Leone und den Filmen der Shaw Brothers bis zu John Carpenters "Die Klapperschlange". Visuell sind die Trainingsszenen der Braut am stärksten, aber selbst die sind im Vergleich zum wilden Bilderpotpourri in Vol. 1 harmlos. Insgesamt ist der 2. Teil eh ruhiger gehalten. Die Action fortzuführen, wo sie im 1. Teil aufgehört hat, wäre ein fataler Fehler gewesen. Es wäre zwar schön anzusehen, aber inhaltlich würde es den Film verrecken lassen (hast du das gehört, Michael "Transformers" Bay?!). Während in "Kill Bill Vol.1" ein Mythos um die Braut geschaffen wurde, wird dieser in Vol.2 aufgeklärt. Die Stärken in Kill Bill Vol.2 liegen wie zu Anfang postuliert nicht in den Kampfszenen (wobei die ebenfalls stark sind -siehe Kampf zwischen der Braut und Elle Driver oder den gegen ihren Meister Pai Mei (Gordon Liu)bloß nicht so gigantisch wie in Teil 1), sondern in seiner Charakterauslegung. Bill ist ein Arschloch, wie er im Buche steht. Allerdings ein charmanter und charakterstarker dessen Beweggründe so wie die der Braut enthüllt werden. Dagegen sieht Michael Madsen neben ihm äußerst blass aus. Daryl Hannah wirkt zwar nicht halb so charmant wie Carradine, dennoch kann sie als durchtriebene, sadistische Killerin eine starke Präsenz aufweisen.
Kill Bill Vol. 2 gewinnt an emotionale Tiefe, kann aber nicht wie in Vol. 1 die Spannung kontinuierlich halten und flacht bei zu überdehnten Dialogen ab. Nichtsdestotrotz ein würdiges Sequel.


Fazit: Geschmackssache.

Sonnige Grüße :]

Persepolis... zwischen Iron Maiden und Kopftuch




Comics wurden früher mit einem leichten Anflug von Spott geliebäugelt. Jedes Mal, wenn ich in der Grundschule einen Manga mitgenommen hab, verzogen meine Klassenkameraden auf lächerlichste Weise ihr Gesicht und riefen: "Iih, die liest da Sailor Moon!". Erstens war es kein Sailor Moon-Manga, zweitens besteht die japanische Comicwelt nicht nur aus langbeinigen Minirockträgerinnen mit Glubschaugen und unmöglichen Frisuren und drittens, die Themen mancher Comics sind gesellschaftskritischen, politischen, etc. Ursprungs. So wie auch der Graphic Novel "Persepolis" (Graphic Novel: Comics in Hardcoverformat) von Marjane Satrapi. In ihrer eigenen Comicautobiographie schildert die Iranerin ihre persönlichen Erlebnisse nach der Thronablösung des Schahs Mohammad Reza Pahlavi und den darauffolgenden Golfkrieg gegen Irak. Zusammen mit Vincent Paronnaud führte sie die Regie ihrer eigenen Comicverfilmung. Heraus kam ein stilistisch herausragendes, intelligentes Werk, das sich trotz seiner aufwühlenden Themen nicht allzu ernst nimmt.
Marjane ist acht Jahre alt, als der iranische Schah ins Exil flüchtet. Zunächst herrscht Erleichterung und Freude über die Bildung einer Republik. Allerdings reißen die Mullahs die Macht an sich und Marjanes Familie, die gegen den Schah rebellierte und auf der Seite der Revolutionären war, wird vehement unterdrückt. Die Zahl der Unruhen, Inhaftierten und Toten nehmen immer mehr zu, Frauen müssen sich in der Öffentlichkeit und in der Gegenwart von Männern mit Kopftuch zeigen. Marjanes Eltern schicken ihre Tochter nach Wien, damit sie ohne Zwänge ihre Schulausbildung fortführen kann. Aber Heimweh und Liebeskummer plagen der Jugendlichen...
In kindlicher Manier erläutert Satrapi, wie es zur Unterdrückung des iranischen Volkes kam und verbindet sie mit ihren persönlichen Erfahrungen. Die Schwarzweiß-Zeichnungen emphasieren das Grauen des neuen Regimes. Wenn ein Mullah Marjanes Mutter anschnauzt, dass er Frauen wie sie an die Wand drücke, kurz durckficke und sie wieder in den Müll werfe, ist das nicht nur erschreckend, sondern macht einem auch die Hilflosigkeit im Land deutlich. Nichtsdestotrotz bleibt der Humor in
Persepolis nicht zu kurz. Marjanes Kindheit, Jugend bishin zu ihrer Flucht nach Paris wird witzig und bewegend dargestellt. Marjane versucht auf ihre eigene Weise, mit Punk (yay!) und Metal (yay!), Sneakers und Michael Jackson-Button gegen die Dikatur zu rebellieren. Pfiffig wie sie ist, schafft Marjane sich auch jedes Mal aus einer misslichen Lage rauszureden. Stärkste Figur neben ihr ist ihre Großmutter, die Marjane daran erinnert, niemals ihre eigene Identität als Iranerin zu vergessen und dafür gradezustehen.
Normalerweise sind Synchronisationen nicht mal halb so gut wie das Original, weil sie zum Teil hölzern klingen und die Originaltexte nicht wiedergeben. Da aber nicht jedem Französisch liegt und Jasmin Tabatabai als Marjanes Synchronstimme einen außerordentlich guten Job hinlegt, dürfte für jeden die dt. Synchro zugänglich sein.
Persepolis ist gelungenes, unterhaltsames, bewegendes Kino, das sich zwischen Politdrama und Coming-of-Age-Comedy bewegt. Für Comicfans ist der Film eh ein Muss.

Fazit: Sehenswert!

Sonnige Grüße :]

Montag, 22. März 2010

Precious... I should have aborted your motherfuckin’ ass



Ich hatte das Glück, Kinokarten für die Precious-Preview zu gewinnen, ergo den Film vor dem öffentlichen Kinostart (25.3.2010) anzuschauen UND das für LAU! :)
Auf sämtlichen Festivals (Sundance Film Festival, Chicago Film Festival, Toronto Film Festival, etc.) wurde Precious von Kritikern gelobt und gewann unendlich viele Auszeichnungen. Dass sich ein Hype in den Ausmaßen eines Hurricanes daraus entstand, war zu erwarten. Ich vertraue Hypes nicht, solange ich mir die Filme nicht selbst angeschaut hab. Als ich und ne Freundin von mir das Kino verlassen haben, lag uns der Film im wahrsten Sinne des Wortes schwer im Magen. Nicht dass er misslungen wäre. Es ist allerdings dringend von ihm abzuraten, wenn man sich in einem emotional labilen Zustand befindet.
Harlem, 1987. Die sechzehnjährige Clareece "Precious" Jones (Gabourey Sidibe) ist Analphabetin, enorm übergewichtig, von ihrem Vater vergewaltigt worden und zum zweiten Mal von ihm schwanger. Die Misshandlungen und Tiraden ihrer Mutter (Mo'Nique) lässt sie schweigend über sich ergehen. Erst als Clareece auf eine alternative Schule wechselt, Anschluss zu ihren Klassenkameradinnen findet und ihre Lehrerin Ms. Rain (Paula Patton) Hoffnung gibt, scheint Clareece Mut zu fassen und neuen Lebenswillen zu schöpfen.
Precious ist harter Tobak. Clareece' Zuhause gleicht einem Albtraum aus ekligem, fettigem Essen, Prügel und wilden Zornausbrüchen ihrer Mutter, die rauchend und vor der Mattscheibe hockend von der Stütze lebt. Täglich brüllt sie ihre Tochter an, nennt sie "einen Haufen Scheiße" und "dumm". Es ist eine deprimierende, braundunkle Hölle in der sie sich befindet. Wenn Clareece davon träumt, wie ein berühmter Star über den roten Teppich zu laufen und von allen Seiten geliebt zu werden, weicht die Dunkelheit von ihr ab. Ihre Tagträume dienen nicht nur Clareece, sondern auch dem Zuschauer als Trost (der Streifen wär sonst echt nicht zu ertragen gewesen). Das Mädchen hat zu viel gelitten, zu viel erlebt, als dass sie ihrer Mutter Widerstand leisten könnte. Gabourey Sidibe ist eine absolute Neuentdeckung. Fast statisch und mit minimalem Spiel verkörpert sie eine gebrochene Figur, die erst lernen muss, sich selbst zu akzeptieren und zu lieben. Ihre illustren Klassenkameradinnen (die hin und wieder für einige Lacher sorgen) und insbesondere ihre Lehrerin stehen ihr treu zur Seite. Hilfe bekommt Clareece ebenfalls von der Sozialarbeiterin ( Mariah Carey, mal ungeschminkt! :O). Richtig, die "Ich-kann-über-8-Oktaven-singen"-Mariah Carey, die im Film erstaunlicherweise (!!!) eine gute Figur gibt. Mo'Nique hatte von allen die undankbarste und komplexeste Rolle. Eine hässlichere, widerwärtigere und boshaftere Mutter gab es nicht mehr seit...naja. Glaube, so ne Figur gabs glaube ich noch nicht in der Kinogeschichte (wenn ja, könnt ihr mir gerne ne Mail schicken). Zum Schluss gibt es eine Szene, wo ihre harte Schale aufreißt und sie letztendlich doch menschliche Züge aufweist (einer der stärksten Szenen überhaupt). Zu recht warf man der Mo'Nique die Awards (BAFTA-Award, Golden Globe, Oscar, etc.) geradezu hinterher. Insgesamt kann der Cast beeindrucken (sogar Lenny Kravitz als männliche Krankenschwester spielt solide. Was isn das fürn Film, wo alle Glamour-Stars gut spielen können?!). Regisseur Lee Daniels schafft es, die Szenarien weder zu überdramatisieren noch weichzuzeichnen. Precious bietet zwar harte Themen (Außenseitertum, Vergewaltigung, Inzest, Aids), bleibt nichtsdestotrotz im Rahmen des Realistischen und hinterlässt nach dem Abspann einen zutiefst erschütternden Eindruck.

Fazit: Gelungen, aber nichts für Zartbesaitete.


Sonnige Grüße :]