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Freitag, 26. März 2010

The Breakfast Club... don't you forget about me





Wenn man von Teenie-Filmen spricht, denkt man automatisch an die "American Pie"-Reihe, grottige Splattermovies oder noch schlimmer: Singende, tänzelnde Möchtegern-Starlets aus der Disney-Fraktion (Namen des besagten Streifens brauch ich hoffentlich nicht zu nennen). John Hughes war einer der Ersten, der Jugendlichen in Filmen mehr Tiefe verlieh und sie ernsthaft mit ihren Problemen eines Heranwachsenden konfrontieren ließ. The Breakfast Club geht über eine gewöhnliche Teenie-Komödie hinaus und ist ab der Hälfte eine Art Gesellschaftsstudie über eine Generation, deren gesellschaftlichen Zwänge und Forderungen schier niederwalzen.
An einem banalen Samstag haben der Sportass Andrew (Emilio Estevez), die beliebte Claire (Molly Ringwald), der Streber Brian (Anthony Michael Hall), der Rebell John (Judd Nelson) und die ausgeflippte Allison (Ally Sheedy) nachzusitzen. Der entnervte Lehrer Richard Vernon (Paul Gleason) erteilt ihnen die Aufgabe, einen Aufsatz zu schreiben mit dem Thema "Wer bin ich?". Anstatt sich an die Aufgabe zu machen, reden, diskutieren, streiten, schlagen, weinen, lachen und versöhnen sich die unterschiedlichen Fünf und entdecken am Ende des Tages, dass sie doch mehr Gemeinsamkeiten haben als erwartet.
Dass es sich hierbei um Stereotypen handelt, wird beim Mittagessen mehr als deutlich. Claire aus wohlhabenden, gehobenen Hause holt eine Bento-Box mit Sushi hervor (John: "Du willst nicht die Zunge eines Jungen in deinem Mund haben, und dann isst du sowas?"), während Andrew ein gigantisches protein- und kohlenhydratreiches Lunchpaket auspackt. John hat nichts bei sich, der wohlbehütete Brian bringt Suppe in einer Thermoskanne und Apfelsaft im Tetrapack mit. Allisons Lunch ist am abgefahrensten: Butterbrot mit Zucker und Erdnussflips (jedenfalls sehen die Dinger so danach aus). Dank der stereotypischen Figuren kann man sich leicht mit ihnen identifizieren, besonders für Teenager und Ältere, die ihren High School-Jahren nachhängen, ist der Film ansprechend. Dank John Hughes' genialem Drehbuch wird das langsame Herantasten an die Psyche der Teenager ehrlich und glaubhaft dargestellt. Im weiteren Verlauf fällt das festgefahrene Cliquendenken und die gegenseitige Aversion ab und nach einer Flucht aus der Bücherei und einem gemeinsamen Joint lockert sich die angespannte Stimmung. In einer zutiefst ehrlichen Gesprächsrunde erzählen sich die Teenager den Frust aus dem Leib. Auf Brian und Andrew lastet ein enormer Erfolgsdruck von Seiten der Eltern, Claire ist nur Spielball im Scheidungskrieg ihrer Eltern und kann sich den Forderungen ihrer Freundinnen nicht entziehen, John leidet unter den Gewaltattacken seines Vaters und Allison fühlt sich von ihrer Familie ignoriert. Auch wenn die Erwachsenen im Film eine Randerscheinung sind, sind sie stetig präsent und in einem äußerst negativen Licht dargestellt. Doch anstatt sich den gesellschaftlichen Zwängen Widerstand zu leisten, integrieren sich die Jugendlichen ohne Widerworte hinein. Auch wenn sie darauf hoffen, nicht genauso zu werden wie ihre Eltern, haben sie die Vorstellungen und Erwartungen ihres Umfelds vollständig übernommen. Sie sehnen sich nach Selbstbestimmung, sind aber nicht mutig genug, aus ihrem konformierten Umkreis herauszubrechen. Daher ist für allen fraglich, ob ihre neu begonnene Freundschaft auch am Montag standhält.
Darstellerisch sticht Judd Nelson als Rebell in der Runde heraus. John provoziert, wo er kann und lässt über jeden einen sarkastischen Spruch ab. Nur hin und wieder blitzt unter der harten Schale sein verletztlicher Kern durch. Emilio Estevez' authentisches Spiel überzeugt. Man spürt, wie sein Andrew unter den Druck seines karrieregeilen Vaters langsam zerbricht, aber nichts anderes tun kann, als bedingungslos seine Erwartungen zu erfüllen. Dieses Nichtanderskönnen bestimmt das Handeln der Protagonisten. Ihr gemeinsamer Samstag gibt ihnen jedoch Anlass, sich zu ändern und ihren eigenen Weg zu gehen. Wünschen würde man es ihnen auf jeden Fall. Auch nach 25 Jahren hat The Breakfast Club nichts an seiner Aktualität verloren und wird wahrscheinlich auch in den nächsten 50 Jahren zeitlos bleiben. Frei von Kitsch und Pathos entlarvt John Hughes das Innenleben von Teenagern und beweist ihre Vielfältigkeit und Ambivalenz fern von der "Null-Bock"-Schiene. Besonders Eltern lege ich diesen Film sehr zu Herzen, hehe.


Fazit: Sehenswert!

Sonnige Grüße :]

Donnerstag, 25. März 2010

Manhattan... irre, wirre Liebe in NY





Woody Allen-Filme (jedenfalls die früheren) sind die Chick-Flicks für Männer. Intellektuelle und Akademiker schwadronieren in Freud'scher Manier beim üblichen Kaffeeplausch über Liebe und Sex, und das ohne in überschwängliche Gefühlsduseleien abzusteigen. Das ist das Besondere von Allen: Seine Filme wirken in höchsten Maßen romantisch, ohne sentimental-kitschig zu erscheinen. Zudem liefert er wunderbare Großstadtporträts (New York, London, Barcelona...), wo einem sofort das Fernweh packt. Manhattan deckt das neurotische Liebesverhalten der Großstadtleute auf, ist aber in erster Linie eine liebevolle Hommage an New York itself.
Schlimmer hätte es für Isaac Davis (Woody Allen) nicht kommen können. Seine lesbische Exfrau Jill (Meryl Streep) schreibt ein vernichtendes Enthüllungsbuch über ihre Ehe und in seiner Beziehung zu der 17-jährigen Tracy (Mariel Hemingway) ist der Fernsehautor auch nicht glücklich. Zu groß ist der Alters- und Interessenunterschied, daher sieht Isaac keine Zukunft für sie. Halt findet er bei seinem Freund Yale (Michael Murphy) dessen Liebesleben ebenso chaotisch ist. Yale hat nämlich eine außereheliche Affäre mit Mary (Diane Keaton). Isaac verabscheut ihr "pseudo-intellektuelles" Geschwätz. Doch schnell lässt er sich von Mary hinreißen und beginnt eine Romanze mit ihr.
Elaine's, Museum of Modern Art, Brooklyn Bridge, Fifth Avenue, Guggenheim-Museum, Hayden Planetarium... in nostalgischer Schwarzweiß-Fotografie (ich vergöttere S/W-Fotografie°°) wird die Schönheit New Yorks offenbart. Anstatt wie Carpenter oder Scorsese die Großstadt als apokalyptischen Sündenpfuhl zu inszenieren, kann Allen von seiner Heimatstadt nur Positives abgewinnen. In Manhattan bekennt er zu seiner Liebe zum Kino (Groucho Marx, "Die große Illusion" von Jean Renoir, Ingmar Bergman), zum Jazz ("Rhapsody in Blue" von George Gershwin ist eine Bereicherung), zur Kunst, zur Literatur und selbstverständlich zu New York. Allen wäre allerdings nicht Allen, wenn es in seinen Filmen nicht um wirre Liebesangelegenheiten neurotischer Intellektueller/Künstler geht. In Isaacs Freundeskreis ist Liebe (und alles was dazu gehört) oft Gegenstand ihrer Unterhaltungen, dennoch verhalten sie sich in der Hinsicht unüberlegt und sind nicht imstande auf feste Beziehungen einzugehen. So sträubt sich Yale über den Kinderwunsch seiner Frau reden zu wollen, geschweige denn ihr seine Affäre mit Mary zu gestehen. Isaacs radikale Gefühlsschwankungen hindern ihm eine glückliche Beziehung mit Tracy zu führen, die von allen Protagonisten am reifsten wirkt und eine Art Gegenpol zu den ganzen intellektuellen Neurotikern darstellt. Diese satirischen Seitenhiebe auf den Bildungsbürgertum New Yorks sind köstlich, besonders in den Dialogen. Deutlich wird dem Zuschauer ihre Lebens- und Bindungsunfähigkeit bewusst, die Isaac mit zynischen, sarkastischen Bemerkungen zu kaschieren versucht. Ohnehin sind seine scharfzüngigen Liners das Glanzstück des Films. Nebenbei begeistert Manhattan mit atmosphärischen Bildern eines einzigartigen New Yorks, die jeden NY-Fotoband locker füllen können. Allerdings ist der Allen'sche Humor nicht jedermanns Sache und das Liebswirrwarr mag einem zu konfus erscheinen und auf den Geist gehen (wohl auch einer der Gründe, wieso der ein oder andere Allen als überschätzt erachtet). Wer jedoch New York über alles liebt, kommt an Woody Allen und erst recht nicht an Manhattan vorbei.


Fazit: Sehenswert.

Sonnige Grüße :]